5. Januar 2014 · von Rainer W.Janka (ovb)

G.F. Händel MESSIAS - Weihnachtskonzert

Georg Friedrich Händels "Messias" beginnt mit einer Sinfonia - Michael Gartner und der Chorkreis St. Quirinus machten einen Anfang vor dem Anfang. Sie begannen mit einem A-cappella-Stück von Morten Lauridsen, mit der Weihnachtsmotette "O magnum mysterium". Nach fragilen Einsätzen entfaltete sich die mystisch leise Motette schön in der sehr halligen Akustik der Rosenheimer Christkönigkirche, der Chor wurde immer sicherer und ließ das Weihnachts-Alleluja im vorschriftsmäßigen Piano erlöschen.
Der Chorkreis St. Quirinus bei seinem Konzert in der Christkönigkirche.

Das Weihnachtsgeschehen kann man nur rückwärts verstehen - als Beginn der Passion Christi und dessen darauffolgender Auferstehung. In Weihnachten ist also Ostern schon enthalten. So ließ Gartner den Weihnachtsteil des Messias mit dem Oster-Halleluja enden samt zwei vorbereitenden Arien: Weihnachtsfreude zusammen mit dem Osterjubel - theologisch schlüssig und musikalisch effektvoll.

Die direkte Weihnachtsgeschichte gestalteten der Chor und die Solisten am eindrucksvollsten: Nachdem Thomas Hamberger die bass-finsteren Schatten des Todes mit den schleichenden Achteln einfühlsam beschworen hatte, schraubte sich der Chor freudig in seinen Koloraturen aufwärts wie die auf- und abwärts schwebenden Weihnachtsengel.

Gartner achtete auf beschwingtes Fließen der Musik und monumentalisierte nichts, auch nicht die Namensnennungen Jesu als "Wunderbar!" und "Herrlicher!", die eher staunend als jubelnd erklangen. Schön glänzend und trillernd-tirilierend erklangen darauf die Geigen in der Hirtenmusik voll innerlicher Freude: Auf das wendige-flexible und fein aufspielende Orchester konnte Gartner sich verlassen, obwohl er eher chorisch-rund dirigierte, denn Konzertmeister Rainer Heilmann agierte souverän und gab die Impulse deutlich weiter.

Als Weihnachtsengel trat die Sopranistin Dagmar Gareis auf mit ihrem klug geführten Sopran und frohlockte mit erlesen ziselierten Koloraturen. Die Trompeten gesellten sich im "Gloria"-Chor dazu, in dem der Chortenor die Höhe gut hielt. Gut durchhörbar waren die Chorstimmen immer, mädchenhaft-hell klang oft der Sopran. An manchen ausgesetzten Stellen schlichen sich die Chorstimmen in ihre Einsätze hinein ("Und er wird reinigen"), an den homophon-blockhaften Stellen aber war alles sicher. Der "Halleluja"-Jubel begann etwas gemessen und steigerte sich erst am Schluss triumphal hymnisch.

Dem Tenor sind die eher verkündenden Texte anvertraut - Herbert Gruber nahm diese Rolle kräftig wahr. Am schönsten war es aber, wenn seine trompetenstarke Stimme sich ins flehende Piano wandelte ("Tröstet mein Volk!"). Der Alt hat wichtige Arien, jedoch war Luitgard Hambergers Stimme durch eine Erkältung ziemlich angeschlagen, so dass die sonst so schöne Wärme und Glut fehlten.

Der Schlussapplaus in der gut gefüllten Kirche war so herzlich und lang, dass der Chor sich noch mit einem Weihnachtslied bedankte. Im "Adeste fideles" war alles da: Natürlichkeit, Sicherheit, reiner, gut abgestimmter Chorklang. Reines Weihnachten.

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