Jesus Christ Superstar 2017
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Nach dem Erfolg vor drei Jahren entschied sich das Musical-Ensemble des Chorkreises St. Quirinus dafür, die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ noch einmal, neu inszeniert, auf die Bühne des Kultur- und Kongresszentrums Rosenheim zu bringen: Es wurde ein bewegender Abend.
Michael Gartner konnte mit seinem Chor die schon im Jahr 2014 überzeugende Leistung noch einmal übertreffen.
Auch 46 Jahre nach ihrer Uraufführung in New York bietet die Rockoper noch jede Menge Zündstoff. Der Messias zeigt in seinen sieben letzten Tagen auf Erden Schwäche, zwischen ihm und Maria Magdalena knistert es erotisch und Judas ist nicht mehr das ultimative Böse, sondern auch nur ein Mensch mit Sehnsüchten, Zweifeln und Fehlern. Ansonsten hält sich die Rockoper an das, was in der Bibel steht: Die Zuschauer erleben den Einzug Jesu Christi in Jerusalem mit, sind Gast beim letzten Abendmahl, begleiten Gottes Sohn bei seinen schweren Stunden im Garten Gethsemane und verfolgen dann Verrat, Verurteilung, Geißelung und schließlich das Ende am Kreuz hautnah mit.
Bei der Uraufführung machte man aus Jesus einen Hippie-Guru. Regisseur Stefan Hanus integrierte Jesus, Judas und Maria Magdalena bei seiner Rosenheimer Fassung im Jahr 2014 in ein modernes Theaterensemble. Die gesamte Handlung spielte damals in einer kargen Probenbühne. Jetzt wurde die Bühne zur Fabriklagerhalle umfunktioniert. Obwohl die Kulisse erneut mit einfachen Mitteln gestaltet wurde, wirkte sie diesmal spektakulärer, dank eines riesigen Ventilators als Mittelpunkt. Die Propellerblätter drehten sich während der gesamten Vorführung träge und gleichmäßig, erinnerten damit an die Zeiger einer Uhr, die unaufhaltsam den Tod Jesu näherbringen.
Martin Markert erneut als Jesus
Gottes Sohn spielte erneut Martin Markert. Mit seinem runden, kräftigen Tenor hatte der professionelle Musical-Darsteller bereits vor drei Jahren begeistert. Doch diesmal verkörperte er die Wandlung vom strahlenden Superstar hin zum gebrochenen Mann noch authentischer. Der 35-Jährige wirkte reifer und gerade am Schluss in seiner Todesangst absolut glaubhaft. Gut gewählt war auch sein Kostüm: Der „Leiharbeiter“ kam in Zimmermanns-Kleidung auf die Bühne.
Tobias Heinz in der Rolle des Judas spielte und sang bei der Inszenierung 2014 enorm beherrschend. Diesmal nahm sich der Kolbermoorer mit der klassischen Gesangsausbildung etwas zurück. Das schadete seinem Part überhaupt nicht, ganz im Gegenteil: Auch der Judas mit seinen Zweifeln und Sehnsüchten wirkte so realistischer.
Maria Magdalena machte Regisseur Stefan Hanus bei seiner Neuinszenierung zu einer Bedienung in der Firmen-Cafeteria. Julia Schmarsel aus Schechen, ebenfalls eine ausgebildete Sängerin, verlieh dieser biblischen Gestalt bereits vor drei Jahren einfühlsam eine Stimme. Auch diesmal lag es an ihr, einen beruhigenden Gegenpol zu den vielen turbulenten und gewaltvollen Szenen zu bilden.
Neben dem Musical-Ensemble des Chorkreises St. Quirinus wirkten erneut das Kammerensemble „Die Arche“, die JCS-Rock-Band und das Brassquintett Esbrassivo mit. Insgesamt waren damit mit Planung und Realisierung dieses Projektes wieder über 100 Mitwirkende vor und hinter den Kulissen beschäftigt. Anders als im Jahr 2014 schränkte Stefan Hanus diesmal aber die Massenszenen extrem ein. Außer beim Einzug nach Jerusalem waren fast nie mehr als 20 Mitwirkende gleichzeitig auf der Bühne zu sehen. Auch diese Neuerung tat dem Werk gut. Dadurch wurde der Fokus mehr auf die Hauptrollen gelenkt.
Immer schon ging es bei der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ auch darum, die Geschichte von Gottes Sohn in Beziehung zu aktuellen Entwicklungen und politischen Themen zu setzen. Derzeit passt da ein „Donald Trump“ als König Herodes nur zu gut hinein. Auf diese Gestalt hätte man aber gerne verzichten können, auch wenn so mancher Zuschauer beim Anblick des Mannes mit der blond-roten Perücke mit einem Schmunzeln reagierte.
Der Applaus tat auch am Karfreitag gut
Der Applaus am Schluss setzte zögerlich ein – nicht aufgrund mangelnder Begeisterung. Schon während der Pause lobten viele Zuschauer diese Inszenierung als „unvergessliches Erlebnis“. Verunsicherung löste vielmehr die Tatsache aus, dass die Rockoper am Karfreitag aufgeführt wurde, einem „stillen Tag“, an dem eigentlich nicht laut gefeiert werden soll. Ursprünglich war deshalb geplant, den Vorhang nach der Szene am Kreuz gar nicht mehr zu heben. Doch dieses Ende kam den Zuschauern dann auch nicht richtig vor. Nach und nach klatschten immer mehr, und so wurde der Vorhang schließlich doch noch einmal gelüftet. Die Darsteller und Organisatoren dahinter ließen sich zwar nicht feiern, trotzdem sah man, wie gut ihnen dieser Applaus tat.