2. Juli 2021

Kultur Park Haus

Triumph der Musik beim Rosenheimer Parkhaus-Konzert

Quirinus-Chor unter Michael Gartner begeistert mit dem Requiem von Michael Haydn

Rosenheim – Laue Sommerabende verführen nicht nur ein interessiertes Publikum, Musik im Freien zu genießen, sondern animieren auch die Liebhaber leistungsstarker Motoren, ihre Maschinen in lautem Imponiergehabe durch die Straßen zu jagen.
Krönung
des Festivals

Eine große Anzahl Zuhörer bevölkerte das oberste Deck des Parkhauses P1 am Hammerweg, auf dem wieder Konzerte auch in größerem Rahmen möglich waren. Der Chorkreis St. Quirinus unter dem rührigen Dirigenten Michael Gartner hatte keine Mühen gescheut, um dieses Parkhaus-Festival zu initiieren und nun mit dem Requiem von Michael Haydn zu krönen – zusammen mit dem „Orchester Concerto München“ unter der Leitung von Johannes Berger.

Ein besonderer Gag sollte es sein, das klassische Programm mit Texten zu garnieren, die dem sogenannten Homo sapiens gehörig die Leviten lesen.

Der berühmte polnische Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem lieferte den Text, Nik Mayr hat ihn dramaturgisch aufbereitet und Florian Schrei agierte als virtuoses Einmann-Theater. Die Geräuschkulisse von der Straße ließ dieses Experiment als durchaus schlüssig erscheinen. Doch leider überwucherte der Textanteil die Musik, es wurde kein Dialog, und es erforderte einiges vom Publikum, den lustvoll satirischen und intelligent verästelten Pointen zu folgen.

Also nun zur Musik: Michael Haydn steht – sehr gelinde gesagt – im Schatten seines großen Bruders Joseph. Zu Unrecht, denn Michaels Musik ist nicht Museum, sondern blutvolle Kunst, die uns heute noch unmittelbar berührt und packt. Aber ein Requiem in einem halben Open-Air-Konzert? Weder Michael noch auch Joseph jagen uns apokalyptische Schauer über den Rücken, beide schrieben dem Leben zugewandte, „sonnige“ Musik.

Als „Vorspeise“ servierten das Gesangsensemble H2O2 (die Geschwister Luitgard und Thomas Hamberger und das Ehepaar Christine und Herrmann Oswald) zwei Bachchoräle, einen davon textlos auf schubi-du: schwebend, filigran; die kunstvoll verflochtenen Linien blitzten in farbiger Intensität auf. Eine Wonne!

Im Requiem durften sich dann noch weitere Gesangssolisten profilieren: Dagmar Gareis mit zart-geschmeidigem Sopran, nie auftrumpfend, aber stets präsent; Adam Schilling als Altus, der mit seiner Kopfstimme die Klangpalette bereicherte. Dazu gesellten sich der Tenor Herbert Gruber, der stimmlich jede Hürde locker bewältigt, sowie der strahlend gewinnende Bass Daniel Hinterberger.

Es dürfte für den Chor nicht ganz leicht gewesen sein, nach den Textpassagen gefühlsmäßig wieder ins Gleis zu finden. Die dezente Klangpracht (kein Triumphalismus!) des Orchesters, die satte Tönung der Bläser und die akkurat temperamentvolle Disziplin der Streicher waren da sicher eine gute Hilfe.

Jedenfalls war die nötige Spannung sofort zu spüren, und die klar intonierenden Chorsänger waren dank der erstaunlichen Akustik des Parkdecks bis ins Detail wahrnehmbar.

Michael Gartner erwies sich nicht nur als umsichtiger Organisator des Festivals, sondern als behutsamer, auch zupackender, auf exakte Präzision pochender Dirigent. Wäre nur noch nachzutragen, dass die einfühlsame, dezente Orgelbegleitung Johannes Bergers ein unverzichtbarer Teil des klanglichen Gesamterlebnisses war.
Kultur in der
Kathedrale des Autos

Ein letzter Nachtrag: Der Dirigent dankte nach dem rauschenden Beifall der Stadt Rosenheim für die Förderung, allen voran Oberbürgermeister Andreas März und Kulturreferent Wolfgang Hauck, die beide anwesend waren. Es ist ja keine Kleinigkeit, ein ganzes Stockwerk der „Kathedrale der Autos“ frei zu schaufeln – für die Kultur…

Walther Prokop

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